We Can Do It!Frauenministerin Manuela Schwesig will eine 50/50-Quote in Führungspositionen. Constanze hält das für vollkommenen Quatsch.

Vor einigen Tagen treffe ich eine alte Schulfreundin. Sie ist 30 Jahre alt und arbeitet seit einigen Jahren als Kindergärtnerin. Teilzeit natürlich. Es gibt nur einen männlichen Kollegen. Natürlich. Die Bezahlung lässt zu wünschen übrig. Natürlich.

„Eine Freundin von mir arbeitet im Bundesumweltamt. Die bekommt doppelt so viel wie ich“, erzählt sie mir völlig ohne grimmigen Unterton, es ist schließlich nur eine allgemeine Tatsache. Wir unterhalten uns weiter über ehemalige Klassenkameraden*. Sie erwähnt eine Schulkameradin von uns. Ebenfalls 30, hat jetzt ihren Hochschulabschluss in BWL gemacht. Und findet keinen Job. Es sei schwierig in dieser Branche. „Im Bewerbungsgespräch fragen sie schon, ob sie nicht bald Kinder möchte.“ Ich bin sprachlos.

Und heute, nur wenige Tage später, lese ich von Manuela Schwesigs Gesetzesplänen, die mehr Frauen in Führungspositionen bringen sollen – und bin wieder sprachlos. Schwesig schwebt nicht nur eine Frauenquote sondern die „gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen“ vor. Eine doppelte Quote also, die beide Geschlechter fördert sobald eines in der Minderheit ist.

Aber: Männer entscheiden sich nicht gegen eine Ausbildung zum Erzieher, zum Frisör, Fachkraft für Bürokommunikation, Krankenpfleger, Einzelhandelskaufmann oder ein Studium zum Grundschullehrer, weil sie in diesen Berufen diskriminiert werden. Sondern weil sie schlecht bezahlt sind, ihnen andere Berufe und Studiengänge bessere finanzielle Perspektiven und Karrieremöglichkeiten bieten und eher einem typischen Männerberuf entsprechen. Auch der Deutsche Juristinnenbund erkennt keine „strukturelle Benachteiligung von Männern“.

Besser als nichts?

Befürworter hat der Vorstoß von Schwesig durchaus. Ganz nach dem Motto: Besser als nichts und das ist ja nur der erste Schritt. Es geht immerhin um eine gesetzliche Quote. Die wird allerdings im öffentlichen Dienst aufgeweicht. Statt 50 Prozent festzuschreiben, soll ein Abweichen von bis zu fünf Prozent möglich sein. Damit haben wir ein Quötchen. Zudem erhalten Gleichstellungsbeauftragte* kein Klagerecht in der Sache. Sie können zwar klagen, wenn sie bei Einstellung und Vergabe von Posten nicht angehört werden. Der Posten bleibt aber besetzt. Mit Gleichstellungsbeauftragten* können Unternehmen und Behörden gut dastehen. „Wir tun was“, sagen sie damit. Dagegen soll die Gleichstellungsbeauftrage nicht zu viel tun, die Anwesenheit reicht.

Die Pläne von Manuela Schwesig helfen in keiner Weise, Frauen in Führungspositionen zu bringen. Jede* soll den Beruf ausüben können, den er/sie ausüben möchte. Das berufliche Vorankommen darf allerdings nicht vom Geschlecht abhängen. Und da sieht die Realität nun mal so aus: Frauen steigen seltener auf, auch in den von Frauen dominierten Berufen und Bereichen. Schulleiter* und Kindergartenleiter* werden die Männer. Ebenso im öffentlichen Dienst. Hier sind Männer unterrepräsentiert. Schwesig will gezielt Männer fördern, da dies „zeitgemäß“ sei. Das ist überflüssig, da Männer keine geschlechtsspezifische Diskriminierung erfahren.

Besser so!

Besser wäre es, Frauen den Aufstieg zur Abteilungsleiterin zu ermöglichen und zwar trotz Teilzeit, Kinderwunsch, Auszeit, Pflege von Angehörigen. Das sind immer noch weibliche Aufgaben und Rollen. Frauen werden bei der Einstellung und dem internen Aufstieg bewusst nicht berücksichtigt, da sie ja aller Wahrscheinlichkeit nach mal für längere Zeit ausfallen werden. Die offizielle Begründung lautet aber immer, ein anderer Bewerber* – fast immer der männliche – war besser qualifiziert. So wird meine Schulfreundin nur schwer nachweisen können, dass sie wegen ihres Geschlechts nicht eingestellt wurde.

Eine Quote bei der Einstellung für das ganze Unternehmen diskutiert bisher noch niemand. Die ist aber dringend nötig und verlagert das Problem nicht nur auf die Führungsetagen, in die Dax-Unternehmen und den öffentlichen Dienst. Eine allgemeine Quote für jedes Unternehmen mit Sanktionen bei Nichterfüllung würde dafür sorgen, dass vermeintliche Frauenberufe besser angesehen und bezahlt werden und damit auch mehr Männer diese ausüben. Ebenso müssen Männerberufe und männliche Studiengänge für Frauen attraktiver werden. Mit interessanten Themen und der Möglichkeit, auch mit Teilzeit und Kindern beruflich erfolgreich zu sein. Dies ist nämlich ein Thema für beide Elternteile.

*in, *innen, *r, *ren, *er, *eren, *n und *en – wann immer ihr dieses Sternchen seht, ist jede und jeder gemeint.


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