geldWarum Constanze noch 30 Tage arbeiten muss, bis sie genauso viel wert ist, wie ihr Partner es schon vor 50 Tagen war.

Noch 30 Tage. Dann ist der 20. März. Equal Pay Day. Dann habe ich das erreicht, was mein Partner schon am 31. Dezember des vergangenen Jahres erreichte. Es geht hier nicht um sportliche Leistung oder ein Spiel. Am 20. März werde ich das verdient haben, was mein Freund im ganzen letzten Jahr verdient hat. Es geht um die Bezahlung von Frauen und Männern.

Statistisch gesehen muss eine Frau in Deutschland also fast drei Monate länger für das gleiche Geld arbeiten. Der Equal Pay Day wird jedes Jahr neu berechnet. So wie sich die Lohnschere öffnet oder schließt, verschiebt sich der Tag. Mein Lebensgefährte verdient schon wieder Bares, während ich noch hinterher hechle. Der Lohnunterschied beträgt bundesweit 22 Prozent (Daten von 2014) und variiert regional. Baden-Württemberg ist mit 28 Prozent Spitzenreiter. Für die Arbeitszeit, für die mein Partner einen Euro bekommt, erhalte ich nur 77 Cent. Damit ist Deutschland fast Schlusslicht in Europa.

Viele Gründe …

Es gibt viele Gründe und Erklärungen, warum Frauen durchschnittlich weniger verdienen als Männer. „Typische Frauenberufe“ sind schlechter bezahlt als „Männerberufe“. Das fängt schon früh an. Frauen verdienen um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert weniger als ungelernte Arbeiter. Es gibt das schlecht bezahlte Fräulein vom Amt. Arbeitende Frauen sind auch gar nicht vorgesehen. Nur zur Unterstützung und in allergrößter Not. Oder in Kriegszeiten. Mit der Schreibmaschine vollzieht sich eine Revolution. Frauen arbeiten als Sekretärin und Stenotypistin. Sie werden gebraucht. Schlechter bezahlt werden sie weiterhin. Sowieso gilt die Berufstätigkeit nur als Zwischenstation. Bis zur Ehe. In Bayern müssen Lehrerinnen ihren Beruf nach der Hochzeit aufgeben. Bis 1977 muss die Frau ihren Mann um Erlaubnis zu fragen, wenn sie arbeiten möchte.

Die „Frauenberufe“ gibt es bis heute. Frauen drängt es in diese Berufe, das fängt schon bei der Wahl des Studiums oder des Ausbilungsberufes an. Oder werden sie gedrängt? Ich höre heute noch meine Eltern sagen: „Willst du nicht was anderes machen? Versicherungsfachangestellte? Bankkauffrau? Hotelfachfrau?“ Alles klassische Frauenberufe.

Frauen pausieren zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Der Nachwuchs kommt. Und da Vati mehr verdient, bleibt Mutti zu Hause. Er hängt zwei Monate dran. Betreuungsplätze, sodass beide arbeiten gehen können? Kaum vorhanden. Zum Glück gibt es ja das Ehegattensplitting. Es ist ein Teufelskreis.

Wenn sie zurück in den Job geht, haben die Kolleginnen und Kollegen Karriere gemacht, sind aufgestiegen. Sie muss sich wieder einarbeiten, ihre Position verteidigen, festigen. Nur wenige Firmen bieten einen langsamen Wiedereinstieg an. Die meisten arbeiten anfangs Teilzeit wegen der Kinderbetreuung. Karriere in Teilzeit? Fast ausgeschlossen. Teilzeit heißt weniger Lohn.

… kaum Verbesserungen

Der erste große Durchbruch erfolgt 1988 mit der Einführung des Lohn- und Gehaltsrahmentarifvertrages der IG Metall. Die so genannten Leichlohngruppen für Frauen fallen weg. Nicht mehr die Muskelkraft oder Fingerfertigkeit – also der Grad der Belastung – sind die Grundlage für die Bezahlung, sondern die ganzheitliche Betrachtung der Arbeitsaufgabe und Anforderungen. In Firmen mit Tarifvertrag ist die Entgeltlücke kleiner, bei Frauen in Ingenieurberufen beträgt sie „nur“ 16 Prozent.

Trotzdem bleibt die Lücke. 2010 sollte der Abstand nur noch 15 Prozent betragen, 2020 soll er eigentlich bei zehn Prozent liegen. Der Gender Pay Gap verharrt seit Jahren auf konstantem Niveau. Trotz des steigenden Anteils an Frauen, die studieren (inklusive der besseren Abschlüsse) und arbeiten (auch in „Männerdomänen“), ändert sich kaum was.

Wie auch, wenn der Großteil der Minjobber Frauen sind? Wie auch, wenn Frauen seltener Weihnachtsgeld und Sonderzahlungen erhalten? Wie auch, wenn Frauen kaum in Führungspositionen gelangen und eine Quote als Teufelswerk verschrien ist? Wie auch, wenn sich überholte Rollenbilder von Frauen und Männern weiterhin hartnäckig halten und an die nächste Generation weitergegeben werden?

Frauen sind weniger wert, weil sie Frauen sind.

Selbst wenn alle Gründe berücksichtigt und heraus gerechnet werden, bleibt eine Entgeltlücke von acht bis zwölf Prozent. Frauen verdienen einfach acht bis zwölf Prozent weniger, weil sie Frauen sind. So einfach und schockierend ist die Antwort. Meine Arbeit ist weniger wert, weil ich eine Frau bin. Egal wie gut ich bin, egal wie sehr ich mich anstrenge. Mein Partner, mein Kollege wird immer mehr verdienen als ich. Geld ist sicherlich nicht alles. Aber gleiche Arbeit verdient gleiches Geld. Nur so kann ich in Würde und mit Respekt meinen Kollegen gegenüber arbeiten.

Der diesjährige Equal Pay Day steht unter dem Motto „Transparenz“. Transparenz ist die Vorraussetzung für Entgeltgerechtigkeit. Redet also mit euren Kollegen* über die Kohle und fordert Erklärungen für unterschiedliche Bezahlung ein. Denn jeder Tag zählt.

 

Zum Nachlesen und Informieren:

 

Foto: Franziska Maxi Müller

*in, *innen, *r, *ren, *er, *eren, *n und *en – wann immer ihr dieses Sternchen seht, ist jede und jeder gemeint.


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5 Kommentare

  1. […] von Frauen, dass sie sich wehren sollen, erziehen ihnen aber systematisch das Kämpfen ab. Frauen verdienen immer noch weniger als Männer. Wir verlangen, dass sie sich für besser bezahlte Berufe in Naturwissenschaften und […]

  2. m says:

    Apr 10, 2015

    Antworten

    Frauen arbeiten weniger und weniger hart als Männer und das in Berufen, die schlechter bezahlt werden. Daher verdienen (im wahrsten Sinne des Wortes) sie auch weniger.

    Und schon ist der ganze wage gap-sexismus Mythos komplett entzaubert.

    BOAH!

    […] Entfernt wegen diskriminierenden Inhalts. Bitte bleibt sachlich. fem*/Inga

    • Steffi says:

      Apr 10, 2015

      Antworten

      Du, das interessiert mich aber jetzt:

      Was ist denn deine Definition von ‚harter Arbeit‘? Arbeitende Person ist in Besitz eines Penis = die verrichtete Arbeit ist „hart“ und damit „wertiger“?

      Ich mein, dann geh doch mal auf zweiwöchigen Arbeitsurlaub in der Altenpflege und entspann dich ein bisschen. Das hast Du dir echt verdient!

  3. […] ökonomischer Faktor, allerdings nicht gleichgestellt zu männlicher Erwerbsarbeit. Weder in der Entlohnung, noch bei den Aufstiegschancen. Paradox auch insofern, wo doch in einer sogenannten […]

  4. […] die Arbeitswelt an sich (Stichworte Teilzeitarbeit, Wiedereinstieg und Lohnunterschiede), das viel beschriene Phänomen des „Maternal Gatekeeping“, die Gleichstellungspolitik oder […]

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