liesdies_weiss

Bislang haben wir Links immer nur untereinander geteilt. Warum eigentlich? Wir finden: Vieles verdient, auch von euch gelesen und gesehen zu werden.

Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: „Germany’s Next Topmodel“ trägt dazu bei, dass Mädchen eine Essstörung entwickeln. Bei einer Studie von drei Wissenschaftlerinnen des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) gab fast ein Drittel der Betroffenen an, dass das Format einen sehr starken Einfluss auf ihre Krankheit ausgeübt hat. Bei einem weiteren Drittel war es immerhin ein „leichter Einfluss“.

Jaja, die Medien. Und ganz besonders die vermeintlich Sozialen. Sie beeinflussen längst nicht nur unsere Kinder.

„Es geht um jetzt. Jetzt ist seit Jahren ein Backlash unter jungen Frauen zu beobachten, die bei Instagram und Facebook von morgens bis abends irgendwelche Cupcakes backen und sich zuallererst einen Mann und Kinder wünschen.“

Das schreibt die F.A.Z. über das Buch der britischen Feministin Laurie Penny. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie recht Penny damit hat. Unter dem Hashtag #regrettingmotherhood prangerten viele Frauen an, wie sehr sich ihr Leben durch die Mutterschaft geändert hat und was an der neuen Rolle alles nicht in Ordnung ist. Manch eine sprach gar darüber, dass sie, könnte sie die Zeit zurückdrehen, nicht noch einmal Mutter würde. Und viel zu viele ließen leider verlauten, dass man sich diese Gedanken doch vorher hätte machen können. Ausgelöst wurde die Debatte von einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung über eine israelische Studie, in der 23 Frauen zugaben, ernstlich zu bereuen, jemals Mutter geworden zu sein.

„Die Frau von heute jongliert mit 34 Bällen, aber lächelnd.“

Das sagt Nataly Bleuel in der Süddeutschen Zeitung und zeichnet eine Skizze der ach so perfekten Frauen, die uns heute ständig begegnen. Und sie erzählt, wie sie dem entflohen ist:

„Ich bin raus aus meinem Viertel, in die anderen mit den Dicken und Armen. Ich bin raus aus der Rama-Familie, aus dem Ideal, an dem all meine Freundinnen verzweifeln. Raus aus einer Erziehung, die sich nur an Leistung orientiert – damit meine Kinder nicht mit 17 in die Top-Posten des Kapitals streben. Und raus aus unserer Kultur, rein in solche, die auch noch andere Werte achten: Gastfreundschaft, Lebensfreude.“

Das erscheint mir so weise, dass ich es einfach mal zitieren musste.

Das Problem mit positivem Sexismus

Ebenso weise, wenn auch inhaltlich sehr weit entfernt, sind diese Worte der Störenfrieda Mira Sigel:

„Früher hieß es, Frauen brauchten Kinder, um nicht hysterisch zu werden. Sie seien für das Häusliche und das Familienleben gemacht, mit Beruf und Karriere kämen sie aufgrund ihrer Biologie und ihres angeborenen Wesens gar nicht klar. Jetzt von Frauen zu behaupten, sie hätten eben eine andere Verbindung zum Leben und eine natürliche Ablehnung gegen Gewalt, ist positiver Biologismus oder Sexismus, wie man will, und kein Stück besser.“

Sigel schreibt diesen Artikel anlässlich einer Glosse, die auf Emma.de erschien und die behauptete, wenn Fluggesellschaften mehr Pilotinnen einsetzen würden, das Fliegen sicherer würde. Darauf folgte, wie zu erwarten war, ein massiver Shitstorm gegen die Autorin.

Zurücktrollen, Kapazitäten nutzen

Feministinnen* müssen schon für weit weniger provokante Aussagen mit Shitstorms rechnen. Auch wir hatten schon Trolls auf dieser Seite. Die Lösung, zumindest auf Twitter, könnte #ZeroTroll sein. Ein Künstlerkollektiv hat ein Troll-Bekehrungsprogramm entwickelt, bei dem programmierte Bots zurücktrollen und auf sexistische Tweets mit sechs aufklärerischen Videos reagieren.

Vielen Dank an dieser Stelle! Mit weniger trollenden Gegenstimmen bleiben mehr Kapazitäten, für unsere Sache zu streiten:

 

 

 

*in, *innen, *r, *ren, *er, *eren, *n und *en – wann immer ihr dieses Sternchen seht, ist jede und jeder gemeint.


Voriger Beitrag#regrettingmotherhood: Es braucht ein Dorf, nicht eine Frau. Nächster BeitragIhre Zeit, seine Zeit

Antworte darauf!

Name required

Website