liesdies_weissBislang haben wir Links immer nur untereinander geteilt. Warum eigentlich? Wir finden: Vieles verdient, auch von euch gelesen und gesehen zu werden.

Es ist schon ein Weilchen her, dass es ein Lies dies! gab, aber wir haben eine prima Ausrede: Kommende Woche werden wir endlich ein eingetragener Verein. Die Vorbereitungen dafür halten uns ganz schön auf Trab. Deshalb sind manche Links, auf die ich euch heute aufmerksam machen möchte, auch leider nicht mehr die neuesten – aber dennoch lesenswert.

Sprechen wir etwa über deutsches Recht. Ein Mann – nennen wir ihn Thommy, er ist Bundesrichter – ist der Meinung, dass die Gesetzeslage im Bereich der Sexualstraftaten vollkommen ausreichend ist und man jetzt auch mal auf dem Teppich bleiben soll, das Leben wird ja total absurd wenn man alles regelt. #werhättedasgedacht #ulfharaldjanmatthias Was wir davon halten? Das Gleiche wie Margarete Stokowski.

Fast noch abstruser ist jedoch das Urteil des Bundesarbeitsgerichts, die fristlose Kündigung eines Mannes aufzuheben, der einer Frau an die Brüste gefasst hat. Zitat aus dem verlinkten taz.de-Artikel:

„Der Mechaniker, das sagen beide Beteiligte, habe sofort von der Frau gelassen, als diese ihren Unwillen bekundet hat. Das kann ihm zugutegehalten werden, doch was wäre die Alternative gewesen? Sexuelle Nötigung? Vergewaltigung? Verdient es nun schon ein Lob, dass es so weit nicht gekommen ist? Er hat ein klares Nein akzeptiert, na dann, herzlichen Glückwunsch! Den Richtern zufolge hätte Wiederholungsgefahr bestehen müssen oder aber der Vorfall hätte bereits eine Wiederholung sein müssen. Doch der Mann sei nie vorher auffällig geworden, und das, obwohl er schon seit Jahren in der Firma tätig war. Da zieht man beim Gericht offenbar den Hut.“

Gehört wohl zur Werkstättenkultur in unserem Land – so wie auch die pornografischen Kalender in eben jenen. Eine famose Antwort darauf, nämlich den „Craftsmen Calender“ voller leicht bekleideter Männer und Strick, haben die niederländischen Designer Club Geluk konzipiert. Wir würden ihn uns aufhängen!

Die Steinzeit für immer …

Ob sowas schon zu Gendermarketing zählt? Vielleicht im weitesten, vor allem satirischen Sinne. Doch was unter dem Deckmantel naturgegebener Interessen mit unseren Kindern gemacht wird, ist alles andere als lustig.

„Die schiere Masse der rosa-hellblauen Botschaften verfehlt nicht ihre Wirkung: Wie iconkids & youth vermeldete, ist Prinzessin seit Neuestem ein Berufswunsch 5- bis 9-jähriger Mädchen. Designerinnen, Werbetexter und Verkäufer sind Teil dieser Gesellschaft, deshalb ist es zynisch, sie aus der Verantwortung zu entlassen mit dem Hinweis, Gendermarketing reagiere nur auf vorhandene Marktinteressen, denn Werbung schafft viele dieser Grundbedürfnisse erst.“

Ein Teufelskreis: Je mehr die Werbung Kindern einredet, dass rosa Prinzessinnen für Mädchen und heldenhafte Feuerwehrmänner für Jungs sind, desto größer wird der Markt für diese Dinge. Angesichts schrumpfender Geburtenraten und einem gesättigten Spielwarenmarkt eine willkommene Taktik für Hersteller.

In den öffentlichen Diskussionen um solche Handhabungen kann man immer wieder eine These lesen: Die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen, Frauen und Männern sind angeboren, völlig natürlich, von Grund auf unveränderbar. Denn das war ja schon in der Steinzeit so: Frauen sind Sammlerinnen, Männer die Jäger. Dass das nach heutigem Kenntnisstand vollkommener Blödsinn ist, hat sich leider noch nicht genug herum gesprochen. Deshalb empfehlen wir unbedingt die Lektüre des Artikels „Steinzeit für immer“. Überhaupt ist die Argumentation, dass das, was in der Steinzeit stimmte, heute noch stimmen muss, sowieso ziemlich hanebüchen, aber das ist eine andere Geschichte.

… und die Neuzeit für Männer

Eine ebenfalls andere Geschichte offenbart dieser Artikel zur Frauenquote und Frauen in DAX-Vorständen. Er wirft – mit Rückendeckung vom ehemaligen Telekom Vorstandsvorsitzenden Thomas Sattelberger – die These auf, dass gezielt Frauen für Vorstandspositionen gesucht werden, die wahrscheinlich scheitern (weil sie etwa kein Netzwerk im Unternehmen haben und politisch heikle Aufgaben lösen müssen), um Stimmung gegen die Frauenquote zu machen.

Da erscheint einem dieser mit Absicht nicht verlinkte Artikel des stellvertretenden Chefredakteurs der WirtschaftsWoche Henning Krumrey nahezu harmlos:

Ganz besonders witzig *hust* der Sicherheitshinweis, dass die Kolumne nicht für Menschen mit Sexismus-Empfindlichkeit geeignet sei.

Für solche Menschen waren leider auch die Worte nicht geeignet, die prämierte Patricia Arquette hinter der Bühne der Oscars von sich gab – obwohl ihre Rede vorab ja zu Recht gefeiert wurde. Und wenn wir einmal beim Thema Film sind: Diese Kritik zu Fifty Shades of Grey solltet ihr euch unbedingt reinziehen sowie diese drei Filme, die bei der Berlinale vorgeführt wurden. Und dann wäre da noch diese Rezension von Amy Poehlers “Yes Please”, das nach einem Buch klingt, das wir unbedingt lesen sollten – womit dieses Lies dies! wieder einmal mit etwas Erfreulichem endet.

 

*in, *innen, *r, *ren, *er, *eren, *n und *en – wann immer ihr dieses Sternchen seht, ist jede und jeder gemeint.


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1 Kommentar

  1. Romy says:

    Feb 25, 2015

    Antworten

    Die Aufhebung der fristlosen Kündigung des Brustgrabschers hat mich so dermaßen verärgert; ich fands unglaublich daneben, diese Entscheidung. Letztendlich sendet das an mich als Arbeitnehmerin das Signal, dass jeder männliche Kollege mir einmal an die Brust grabschen kann, ohne eine Kündigung befürchten zu müssen. Wo bleibt da mein Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz?

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