misspiggySommer, Sonne, Bikinizeit. Ha! Denkste! Aber bitte nur für die, die äußerlich auch ihrer Umgebung zuzumuten sind. Für alle anderen heißt es erstmal „Sommer, Sonne, Almased“, oder „Sommer, Sonne, 20-Tage-fit-Challenge“.

Welche Bikinifigur uns allen zumutbar ist, bestimmt ein geheimes Konglomerat aus Diät-Shake-Firmen, Fitnessketten, diversen Frauenzeitschriften, deren Werbeagenturen und besonders stumpfsinnigen Geschöpfen, die das Internet mit ihren Vorstellungen darüber, wie Frauen sich in der Öffentlichkeit zu verhalten haben, vollspamen (obwohl das wirklich keinen interessiert).

Mädels, holt den Speck hervor!

Wie viel Unbehagen dickfette Frauen in der Öffentlichkeit bei Dritten verursachen, ist sehr interessant. Vor allem, wenn eben jene dickfetten Frauen aus der Kleidungsordnung ausbrechen, die man sich für sie wünscht. Keine XXL-Tunikas, keine leichtfließenden Stoffe, die die Problemzonen locker umspielen, einfach mal ein kurzes, enges Kleid, ein Jumpsuit in einer knalligen Farbe und der öffentliche Störfaktor ist gebongt.

Eine Frau, die sich nicht um die von ihr erwarteten Schönheitsideale kümmert und dies auch öffentlich zeigt, ist eine Bedrohung für die herrschende Ordnung. Was, wenn noch mehr Frauen sich weigern, viel Geld in Diät-Shakes, „Light/Zero/Life“-Produkte und Zeitschriften zu stecken, die durch Grünkohlsuppendiät 10 Kilo weniger im Monat versprechen? Was, wenn mehr Frauen mit ihren Körpern mehr Raum einnehmen und nicht mehr zierlich und schüchtern in der Ecke stehen? Was, wenn es Frauen auf einmal egal ist, wie sie auszusehen haben, und einfach tun und machen, was sie wollen, sie also aus der ihnen vom Patriarchat zugewiesenen Rolle ausbrechen? Oje, ich seh die apokalyptischen Reiter schon von Weitem. Mode, die sich gegen gängige Schönheitsideale richtet, hat nämlich großes Subversionspotenzial.

Worst of Bikini-Body

Um das auf alle Fälle zu verhindern, hat sich oben genanntes geheimes Konglomerat flugs daran gemacht, Frauen die Idee auszutreiben, eine Bikinifigur sei einfach jede Figur, die von einem Bikini umhüllt ist. Hier ein kleines Best-of:

Los geht’s mit der Bild. Die hat sofort erkannt, worin der Kern bei plantschigen Vergnügen am See oder am Strand liegt: heiß auszusehen!

Von besonderer Widersprüchlichkeit zeugt der Artikel der Brigitte zur „Bikini-Diät„, unter dem der Artikel „Selbstbewusstsein pur! Echte Frauen im Bikini“ empfohlen wird. Aha. Ähm. Moment, was sind denn bitte echte Frauen? Entscheidet jetzt mein Hüftumfang oder meine Kleidergröße, ob ich eine „echte“ Frau bin?

Mit der Körperoptimierung kann Frau natürlich nie früh genug anfangen. Das hat auch Mädchen, die weibliche BRAVO, erkannt. Sie empfiehlt ein sechs-wöchiges Programm für „einen knackigen Po und einen tollen Busen“, damit Frau nicht „schummeln“ muss. Gratis dazu gibt es „tolle Beauty-Tipps“, um die Bikinifigur zu „stählen“. Gleich darunter wirbt ein Online-Shop und die neusten Diät- und Abnehmtricks um die Zielgruppe. Auf dem Weg zur ultimativen Bikinifigur liegt schließlich viel Kohle, für andere.

Falls all die Mühe vergebens war, hat Almased dem Himmel sei Dank noch einen Notfallplan. Besonders wertvoll finde ich diesen Ernährungstipp:

almasedgemüse

Richtig gelesen, die Feststoffe abfiltern, bloß das Gemüse nicht mitessen, das schlägt sofort auf die Hüften!

Ansonsten natürlich Sport, Sport, Sport treiben – zum Beispiel mit dem „ultimativen Bikini-Workout“ oder gleich mit einer ganzen App namens „Frauen-Fitness: Bikini-Figur“ oder mit der veganen Diät gegen den Winterspeck und, und, und.

Für alle, die scheitern (wollen), hat Fit for fun die ultimativen „Mogeltricks“ parat. Wenn nichts mehr geht, hilft der passende Bikini oder Badeanzug beim Vortäuschen und natürlich „eine lückenlose Enthaarung“. Aber die wird ja mittlerweile sowieso aus Hygienegründen vorausgesetzt (seltsamerweise nur bei Frauen), sodass Kinder in der Zukunft wahrscheinlich in einer achselhaarbefreiten Utopie leben werden. Mädels, so einfach kann es sein.

Auf die Barrikaden

Es regt sich aber auch Widerstand. In der Londoner U-Bahn stellte ein Protein-Shake-Hersteller großflächig die Frage, ob man schon beach-body-ready sei. Die Antworten folgten prompt, die britische Werbe-Kontrollbehörde ASA entschied wenig später, dass die Plakate fürs Erste runter müssen, da nicht klar sei, ob man sie sozial verantworten könne.

 

Ein tatsächlich hilfreicher Beitrag zum Thema Bikini-Body, den ich euch wärmstens ans Herz legen möchte, ist dieser hier. Außerdem solltet ihr euch unbedingt alles unter dem Hashtag #simplybekini anschauen und mitmachen! Und falls ihr jetzt immer noch nicht glaubt, dass die beste Bikini-Figur diejenige ist, die ihr habt, hört euch das hier an:

 

Zum Weiterlesen:

http://maedchenmannschaft.net/fett-am-strand-ist-das-nicht-voll-ungesund/

http://reizende-rundungen.blogspot.de/2015/05/fat-acceptance-was-soll-das-eigentlich.html

http://everydayfeminism.com/2015/07/bikini-body-obsession/

http://thebodyisnotanapology.com/magazine/how-people-with-thin-privilege-can-fight-body-terrorism/

*in, *innen, *r, *ren, *er, *eren, *n und *en – wann immer ihr dieses Sternchen seht, ist jede und jeder gemeint.


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5 Kommentare

  1. Anne says:

    Aug 4, 2015

    Antworten

    Hm. Guter Text, aber mir fehlt der Aspekt, den ich zumindest in meinem Umfeld beobachte: leider ist es gar nicht nur das „geheime Konglomerat“, das frau unter Druck setzt. Oft genug sind es andere Frauen, die „schönschlank sein“ so sehr als Prio Nummer 1 verinnerlicht haben, dass sie enorm stolz drauf sind, sie zu erfüllen – und alle Frauen, denen sie dies absprechen, mit ihren Blicken oder auch Kommentaren durchaus verletzend zu verstehen geben, dass sie zu fett/zu hässlich/zu orangig fürs öffentliche Baden sind. Das macht mich eigentlich am traurigsten. Der „Feind“ steht zumindest meinem Empfinden nach überdurchschnittlich oft in den eigenen Reihen und gibt mir zu verstehen, dass ich nicht genüge. Vielleicht sind andere selbstbewusster/geistig weiter als ich (hoffentlich!), aber mich trifft das durchaus, auch wenn ich weiß, dass es das nicht sollte.

  2. Pat says:

    Aug 4, 2015

    Antworten

    Hey!
    Danke für den Link auf meinen Blog.
    Weiterhin viel Spaß und Erfolg mit fem*
    Sportliche Grüße
    Pat

  3. constanze says:

    Aug 9, 2015

    Antworten

    hallo anne, da muss ich dir leider recht geben. auch ich erwische mich wie ich denke: „das sieht aber nicht gut aus“ oder „die könnte ja mal sport machen“. so sehr wirkt der ganze selbstoptimierungs- und schlankheitswahn, dass selbst ich darauf reinfalle und mich jedes mal geschockt frage wie ich so was nur über meine artgenossoinnen (aber die männer) denken kann. die süddeutsche zeitung hat dazu auch einen beitrag gebracht:

    http://www.sueddeutsche.de/stil/koerperkult-beachbody-fit-und-fertig-1.2596771

    ich sollte meine mitgliedschaft im fitnessstudio kündigen.

  4. […] viel leichter. Ihr habt ein schickes Outfit im Blick, fragt euch aber, ob ihr damit wirklich den gängigen Schönheitsidealen entsprecht? Einfach mal machen und zur Inspiration durch ein paar Fatshionblogs klicken, die sind […]

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