Foto: MeggyPlötzlich Eltern: Doch wie können wir Haushalt, Kindererziehung, Freizeit und Karriere gerecht aufteilen? Gedankenkonstrukte einer neuen Mutter.

Rückblick:

Ich solle meine Hobbys schon mal vergessen. Und nicht mal mehr in Ruhe Duschen werde klappen, wenn das Baby erst einmal da ist. In den letzten Schwangerschaftsmonaten kann ich es einfach nicht mehr hören. Vor allem Mütter genießen es, mir mit Rat und Tat die Vorfreude auf mein Kind zu vermiesen. Aber: „Ein Lächeln und alles ist wieder vergessen.“ Und alle so: Yeah! Viel lauter hallt in meinem Kopf allerdings die Aussage einer kinderlosen Freundin nach: „Ich dachte, du machst erst mal Karriere.“ Und dann die E-Mails, in denen ich plötzlich ständig mit „Hallo Bald-Mami“ begrüßt werde. So als wäre der ganze Rest meiner Persönlichkeit abhanden gekommen.

Ich will das nicht akzeptieren. Es ärgert mich, dass meine Entscheidung infrage gestellt wird und dass mir das Gefühl gegeben wird, ich könnte das Kind, ist es einmal da, nicht mehr abgeben. Dabei haben mein Partner und ich es gemeinsam beschlossen und wollen uns auch gemeinsam kümmern. Zwischen den Worten findet sich so viel Ungesagtes: Viele gehen davon aus, dass ich meinen Job erst mal an den Nagel hängen werde, dass ich nun 24/7 für Kind, Heim und Herd da sein werde und mein Partner zum alleinigen Ernährer der Familie werden wird. Und ich muss zugeben: Mein Stolz würde es am liebsten genau andersherum machen. Am liebsten würde ich nach der Geburt erst richtig mit der Karriere durchstarten, den Mann am Herd mit Baby auf dem Arm zurücklassen – und um 18 Uhr vor warmem Abendessen Platz nehmen, das Kind gestriegelt im Hochstuhl und der Mann das heißeste Gerät auf dieser Erde.

Aber seien wir ehrlich: Wenn es um Kindererziehung und Familie geht, betrifft der Sexismus nicht nur uns Frauen. Alex, mein Mann, wird schließlich auch immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob denn er die „zwei Monate Vaterzeit“ in Anspruch nehme oder gleich wieder arbeite. Dabei steht ihm zumindest vor dem Gesetz die gleiche Zeit zu wie mir. Es ist allerdings so, dass es insgesamt zwei Monate weniger Elterngeld vom Staat gibt, wenn sich nur eines der Elternteile entscheidet, die Finanzspritze in Anspruch zu nehmen. Und ja, 2013 haben deutschlandweit nur 27,3 Prozent der Väter neugeborener Kinder überhaupt Elterngeld bezogen und von denen 77 Prozent auch nur für maximal zwei Monate.

So wie wir Frauen in den Köpfen unserer Gesellschaft immer noch an den Herd und das Kinderbett gekettet sind, liegen die Kerker der Männer in den Firmen und ihre Fesseln um die Haushaltskasse. Das wollten mein Partner und ich uns nicht bieten lassen.

Zurück im Hier und Jetzt:

Doch wie diesen Plan umsetzen? Tappt, wer sich nicht strikt an ein Fifty-fifty-Modell hält, nicht automatisch in die Sozialisierungsfalle?

Ich habe das Gefühl: ja. Ich kenne einige junge, aufgeklärte Familien, in denen der eine Elternteil Vollzeitmutter ist und der andere seine Kinder überhaupt nur wenige Stunden am Tag sieht, geschweige denn an der Erziehung teilhat. Die Begründungen sind vielfältig: „Wir brauchen das Geld.“, „Sie macht das schon.“, „Unser Kind wollte einfach nie aus der Flasche trinken.“, „Meine Firma braucht mich.“ Die Frauen gehen voll in ihrer Rolle auf – denn sie haben sie ja ganz eigenständig und vollkommen freiwillig gewählt. Das mag im Einzelfall auch stimmen, aber die Masse der am Prenzlauer Berg berühmt gewordenen Latte-Macchiatto-Mütter lässt eben doch vermuten, dass wir uns nur allzu gern auf überholten Geschlechterstereotypen ausruhen. Vom Ehemann sozial abgesichert, gehen diese Mütter voll und ganz in ihrer neuen Rolle auf. (Mir ist natürlich klar, dass ich damit nur einen kleinen Teil unserer Gesellschaft betrachte – es ist allerdings der, zu dem auch ich zähle. Verzeiht mir diese Egozentrik.)

Also konsequent sein? Stefanie Lohaus hat in ihrer Zeit.de-Kolumne „Das Prinzip 50/50“ bewiesen, dass es mehr als anstrengend ist, die Kinderbetreuung hartnäckig zu genau gleichen Teilen aufzuteilen – auch wenn der Versuch mehr als interessant war. Alex und ich haben uns keine konkreten Regeln gesetzt. Aber wir versuchen, beide ungefähr gleich viel Zeit mit unserem Sohn zu verbringen, und gleichzeitig, dem jeweils anderen Zeit für sich zu ermöglichen. In mancher Hinsicht unterwerfen wir das Konzept dem Praktischen: Ich stille beispielsweise voll und Alex füttert den Kleinen nur, wenn ich nicht da bin – Milch abzupumpen kostet leider sehr viel Zeit und Muttermilch ist sehr viel gesünder für ein Kind als künstliche Milch. Alex übernimmt dafür mehr Aufgaben im Haushalt, kocht etwa häufiger als ich – denn erstens kann er das besser und zweitens nutzt er dazu meist die Zeit, in der ich stille.

Und der für mich wichtigste Teil: Ich schaffe es, mindestens an zwei Abenden die Woche alleine meinen Hobbys nachzugehen, ich dusche fast täglich ausgiebig und auch die Karriere nimmt wieder Fahrt auf. Den perfekten Weg haben wir allerdings auch nicht gefunden.

 

Mich interessiert, wie ihr eure Rollen verteilt! Schreibt mir gern in den Kommentaren.

Foto: Meggy

*in, *innen, *r, *ren, *er, *eren, *n und *en – wann immer ihr dieses Sternchen seht, ist jede und jeder gemeint.


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