liesdies_weiss

Bislang haben wir Links immer nur untereinander geteilt. Warum eigentlich? Wir finden: Vieles verdient, auch von euch gelesen und gesehen zu werden.

Es ist immer wieder Thema unter den Femsternen: Wie halten wir es mit gendergerechten Schreibweisen? Unsere Entscheidung: Jede* Autor* entscheidet es selbst. Eine interessante Idee hatte nun Lann Hornscheidt (Professor* für Gender Studies und Sprachanalyse an der Berliner Humboldt-Universität) gemeinsam mit der Arbeitsgruppe „Feministisch Sprachhandeln“: Man könnte alles, was eine männliche oder weibliche Zugehörigkeit ausdrückt, durch ein x ersetzen. Leider musste Hornscheidt sich für das Engagement einiges anhören, als ein Screenshot von Hornscheidts Website die Runde auf Facebook machte:

Ein Mensch, der weder wie ein Mann noch wie eine Frau aussieht, das darf einfach nicht sein! Ein aufgebrachter Facebook-Leser empfiehlt zum Beispiel, Hornscheidt einschläfern zu lassen. „Wir haben andere Probleme als diesen sinnlosen Genderwahnsinn“, beziehungsweise die „Genderseuche“; „DAS meint das wirklich ernst?“, „abartige Gedanken“, „einfach nur geisteskrank“ (Zitat von FAZ.net)

Hornscheidt selbst sagt laut dem gleichen Artikel nur dazu: „Für mich fehlt dieser Gesellschaft die Bereitschaft, Differenzen stehen zu lassen.“ Sehr wahr, wie ich finde.

Übrigens: Eine ähnliche Idee wie die x-Form der AG „Feministisch Sprachhandeln“ hatten wir auch anfangs für unser *. Leider ziehen wir es selten durch, weil es sich als wenig praktikabel erweist. Dieser Beitrag ist aber so geschrieben. Stört es euch?

Weit weniger visionär als Hornscheidt finden wir den Autor dieses Welt.de-Artikels, versucht er doch mit Nachdruck das Mitleid seiner Leser zu erregen. Denn die bösen Frauen schreiben diesem armen Mann offenbar allein die Schuld am Elend der weiblichen Welt zu. Pfui. Noch trauriger stimmen allerdings die Kommentare unter dem Artikel. Mir fehlen die Worte. Und dann das Wirtschaftsressort der FAZ. Dort hätte man besser mal „white male privilege“ und die Definition von Feminismus googlen sollen. Vielleicht hätte das verhindert, dass das Abschaffen von unverdienten Privilegien als „büßen“ bezeichnet wird.

Bei so viel Weitsinn des männlichen Geschlechts frage ich mich, wie es dazu kommen kann, dass die Autoren* des Buchs „Barbie – I can be a Computer Engineer“ glauben, dass Barbie wirklich die Hilfe von Steven und Brian braucht, um die Daten vom mit einem Virus befallenen Computer ihrer Schwester zu retten. Wo Barbie doch sonst alles allein kann. Schade, wo ein solches Buch doch so viel Potential hätte ausschöpfen können.

Manchmal, ja manchmal, nein ständig, weiß ich nicht, wie ich es meinem Kind einmal erklären soll, warum das mit Frauen und Männern immer so schwierig sein muss. Ich hoffe, dass ich ihm zumindest verständlich machen kann, dass es gemeinsam, ohne diesen ewigen Streit, besser, ja grandios sein kann zwischen Frauen, Männern und allen, die zu keiner dieser Kategorien gehören. Andrea Diener hat es im FAZ.net-Feuilleton versucht. Aufhänger war der Vorstoß von SPD und Grüne in Dortmund, mehr Ampelfrauen in den Verkehr integrieren zu wollen, der auf viel Unmut gestoßen ist.

Zum Abschluss noch die Aufforderung an alle: Macht am Montag und am Dienstag bei den Fahnenaktionen von TERRE DES FEMMES mit, mit der wir dieses Jahr vor allem gegen frauenfeindliche Werbung protestieren können. Wo überall Aktionen stattfinden, lest ihr hier.

 

*in, *innen, *r, *ren, *er, *eren, *n und *en – wann immer ihr dieses Sternchen seht, ist jede und jeder gemeint.


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