liesdies_weiss

Bislang haben wir Links immer nur untereinander geteilt. Warum eigentlich? Wir finden: Vieles verdient, auch von euch gelesen und gesehen zu werden.

Unser letztes „Lies dies!“ begann mit einem Hinweis auf einen unserer Meinung nach gelungenen Kommentar zu Alice Schwarzers Äußerungen gegen den Islam. Leider mussten wir kurz darauf feststellen, dass dieser Text zu einem massiven Shitstorm gegen die Störenfriedas geführt hat. Daran beteiligt vor allem Feministinnen. In ihrem Beitrag „Wir bleiben kritisch“ äußert sich Störenfrieda Mira Sigel dazu:

„Die Diskussion um Alice Schwarzer und unseren Artikel zu ihren Äußerungen hat die ganze autoritäre Struktur des Feminismus offenbart, hat gezeigt, dass der Feminismus bei uns auf so wackligen Füßen steht, dass er keine Diskussion aushält, erträgt, ohne sofort eine grundlegende Gefahr zu wittern, für den Feminismus an sich. So weit reichten die Erschütterungen, dass sich sogar die altehrwürdige EMMA-Redaktion zu hektischen Drohungen hinreißen ließ und es unter den Störenfriedas ordentlich zu brodeln begann. Das Gute ist: Die Frauenbewegung ist die längste und erfolgreichste soziale Bewegung, die es je gab.“

Ähnliche Anfeindungen musste sich außerdem Christ-und-Welt-Redaktionsleiterin Christiane Florin anhören, nachdem sie in ihrem Editorial der ZEIT-Beilage berichtet hatte, eine Werbeanzeige des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ abgelehnt zu haben. Denn darin sei unter anderem folgender Punkt zu lesen gewesen: „Gegen den Strom von Meinungsdiktatur und Political Correctness“. Offenbar gehe auch in der Kirche Pegida-Vokabular um. Hier eine Auswahl der ihr daraufhin zugesandten Beleidigungen:

„Schmeißen Sie diesen betitteten Mistkäfer raus, die soll zu den Grünen gehen, als Putze.“ – Andreas Papke
„Arbeitet die linke Abfickhure immer noch bei euch? Die Frage werden Sie mir ja hoffentlich beantworten können, Sie pseudochristlicher Dreck?“ – Andreas Papke

„Sie sind eine Meinungsdiktatorin „Frau“ Florin! […] (Übrigens Diktatorin wäre falsch, genau wie Bürgerinnen, denn den sprachlichen Genus verwechseln nur politkorrekte Vollidioten mit dem biologischen Sexus.)“ – Stefan Schmidt

„Sie dreckige Himmlerschlampe gehören zwangsverheiratet unters Kopftuch, dann müsste man Ihre hässliche Goebbelsfresse nicht mehr sehen. (Himmler war auch katholisch.) Durch Sie wird mir der Islam mit seinem Frauenbild geradezu sympathisch!“ – hapo127

Deutschland ist ein sehr maskulines Land

Wenn ich diese Anfeindungen gegen Florin lese, fällt es mir nicht schwer zu glauben, dass ich in einem extrem maskulinen Land lebe. Deutschland ist unter den Top Ten beim „Männlichkeits-Index“. Ganz anders: Schweden. So wären etwa viele Werbungen, die bei uns wie selbstverständlich laufen, in Schweden nicht erlaubt.

Wer die Schuld daran trägt, dass wir in einem so blamablen Ranking weit vorn liegen? Unter anderen mit Sicherheit ein Medium: die Bild. Vor allem Kristina Lunz hat dem Boulevard-Blatt deshalb jetzt den Kampf angesagt und eine Kampagne gegen das Bild-Girl und den Bild-Sexismus gestartet. Das Ganze ist angelehnt an eine ähnliche Debatte im Vereinigten Königreich, bei der Frauen darum kämpfen, dass das britische Bild-Pendant „The Sun“ ihre Seite 3 abschafft. Diese Kampagne war leider nur kurzzeitig von Erfolg. „The Sun“ nutzte das Ganze als PR-Streich: Es gab einen Tag lang kein Page-3-Girl, danach wieder Business as usual. Vielleicht sind wir in Deutschland ja erfolgreicher! Wer noch nicht die Petition gegen das Bild-Girl unterzeichnet hat, bitte hier entlang.

Gewalt gegen Frauen ist Alltag

Und nicht nur das Bild-Girl gehört zu unserem traurigen Alltag. Leider auch Gewalt gegen Frauen. (Die Texte hinter den folgenden Links sollte nur lesen, wer bei diesem Thema hartgesotten ist.) Hier etwa ein Bericht über eine Vergewaltigung innerhalb einer Beziehung, in dem klar wird, dass so was nicht immer in der dunklen Ecke im Park stattfindet, und wie schwer es ist, sich das Erlebte als das einzugestehen, was es war. Und hier der Rückblick einer Frau, deren Mann ihr über Jahre hinweg Gewalt angetan hat. Sie versucht eine Erklärung dafür zu finden, warum sie immer wieder zu ihm zurückkehrte und warum es anderen Frauen ähnlich geht.

Gerade deshalb sollten wir uns hüten, Gewalt gegen Frauen zu glorifizieren. Das mag selbstverständlich klingen, aber auch das ist Alltag. Nur ein Beispiel: Fifty Shades of Grey. „The Rambling Curl“ hat zwar schon vor einem ganzen Jahr aufgelistet, wo E.L. James in ihrer berühmten Roman-Trilogie überall Misshandlungen beschreibt – aber der Text ist so gut, dass wir ihn euch jetzt noch mal ans Herz legen wollen, jetzt da der Film in die Kinos kommt.

Und wie immer: Damit wir nicht mit so viel Unerfreulichem enden, weisen wir hiermit noch auf eine grandiose Wortschöpfung von Ella Berlin für das weibliche Geschlecht gestoßen: Vulvina. Zusammengesetzt aus Vulva und Vagina. Femtastisch, nicht? Da machen wir mit.

Außerdem solltet ihr noch unbedingt beim feministischen Beautykanal Riotschminke bei Youtube vorbeischauen:

*in, *innen, *r, *ren, *er, *eren, *n und *en – wann immer ihr dieses Sternchen seht, ist jede und jeder gemeint.


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5 Kommentare

  1. Kalle says:

    Feb 5, 2015

    Antworten

    Hallo Inga,
    die Bezeichnung „Vulvina“ finde ich auf jeden Fall auch gut.
    Eine weitere Frage drängt sich mir jedoch auf: gibt es auch eine bessere Bezeichnung für Schamlippen? Dies ist doch irgendwie auch ein unpassender Ausdruck, oder?

    • Inga says:

      Feb 7, 2015

      Antworten

      Hallo Kalle! Stimmt, ich finde auch, dass Schamlippen ein seltsames Wort ist. Ich weiß nicht, wie der Begriff historisch gewachsen ist, aber vom heutigen Verständnis her sollte die Scham mit unseren Geschlechtsteilen doch nichts mehr zu tun haben. Wikipedia sagt, dass hier und da auch der Ausdruck „Venuslippen“ zu finden ist. Klingt auf jeden Fall liebevoller, finde ich. Was meinst du?

      • Kalle says:

        Feb 9, 2015

        Antworten

        „Venuslippen“ klingt auf jeden Fall liebevoller. Den Begriff kannte ich noch nicht. Was ich schon mal gehört hatte, war der Ansatz „Scham-“ in Bezug auf geschlechtsteile durch „Lust-“ zu ersetzen, also „Lusthaar“ „Lustbereich“ und eben auch „Lustlippen“. Aber „Venuslippen“ ist eine passende Bezeichnung finde ich.

  2. Romy says:

    Feb 5, 2015

    Antworten

    Die Anfeindung gegen Christiane Florin verschlagen mir immer noch die Sprache. Denen hat doch jemand ins Hirn geschissen. Aber keine Wurst, sondern so stinkige Diarrhö schwappt da im Kopf.

  3. […] ist schon ein Weilchen her, dass es ein Lies dies! gab, aber wir haben eine prima Ausrede: Kommende Woche werden wir endlich ein eingetragener Verein. […]

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