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Die Leinwände unserer Zeit haben ein Vielfaltsproblem.

JANE pours her gorgeous figure into a tight dress, slips into her stiletto-heeled fuck-me shoes, and checks herself in the dresser mirror.

Wenn Frauen das erste Mal auf der Leinwand erscheinen, sind sie meist wenig bekleidet, schön und erotisch. Dies zeigt ein Twitteraccount, der die ersten Auftritte von Frauen in Filmen dokumentiert. Nicht nur in den ersten Minuten – der Blick auf Frauen in Hollywood ist insgesamt männlich dominiert. Nicht selten bleiben Frauen Objekte ohne Persönlichkeit, die auf ihr Aussehen und ihre körperliche Attraktivität reduziert werden.

Hollywood hat ein Vielfaltsproblem

Will man etwas über die soziale Kultur in Hollywood wissen, so reicht meist schon ein kurzer Blick auf die Oscars. 2016 fällt ins Auge, dass schon zum zweiten Mal in Folge keine schwarzen Schauspielerinnen und Schauspieler nominiert wurden. #OscarsSoWhite Das bewusste Fernbleiben der Transfrau Anohni, die mit dem Song „Manta Ray“ für einen Oscar nominiert war, aber nicht für die eigentlich übliche Live-Performance eingeladen wurde, blieb unerwähnt. Der Brite Sam Smith ist der erste offen homosexuelle Sänger, der einen Oscar gewann. Das Missverhältnis zwischen Frauen und Männern äußert sich wie immer darin, dass männliche Arbeit weit häufiger und in den Königsdisziplinen gewürdigt wird als weibliche.

Obwohl nur wenig über die rund 7000köpfige anonym agierende Jury, die Oscar-Akademie, bekannt ist, ist anzunehmen, dass hier des Pudels Kern liegt. Wie die Los Angeles Times vermutet, ist – Überraschung – der übermäßige Anteil der auf Lebenszeit berufenen Akademie-Mitglieder weiß (rund 94 Prozent), männlich (rund 77 Prozent) und durchschnittlich 62 Jahre alt.

Sexismus ist vor und hinter der Kamera unveränderte Realität

Frauen werden in der Branche auch an anderen Stellen benachteiligt und sexistisch diskriminiert. So wurde durch einen Hack von Sony-Mails zufällig bekannt, dass Jennifer Lawrence für American Hustle weniger bezahlt bekam, als ihre männlichen Kollegen. Sie reagierte darauf mit einem offenen Brief, in dem sie ihrem Ärger Luft macht.

Konfrontiert werden weibliche Schauspielerinnen mit offenem Sexismus oftmals auch in Interviews. Fragen nach den Designern der Kleider, nach Fitnessprogrammen, Vereinbarkeit von Job und Familie müssen sie sich regelmäßig stellen lassen. Fragen, die mit ihrem eigenen Schaffen nichts zu tun haben und mit denen ihre männlichen Kollegen niemals konfrontiert werden würden. #AskBetterQuestions.
Auch vor der Kamera setzen sich diese ungleichen Standards fort: Wie mehrere Studien herausgefunden haben, wird Männern mehr Sendezeit als Frauen eingeräumt. Spielen Frauen eine Rolle, so sind sie doppelt so häufig in Sex involviert als Männer. Das Ergebnis ist nicht nur auf Hollywood beschränkt. Besonders eklatant ist, wie Frauen angesichts ihrer gesellschaftlichen Relevanz abgebildet werden: In 120 Filmen traten 115 Politiker, aber nur zwölf Politikerinnen auf. Nur 23 Prozent der Filme haben weibliche Heldinnen. Führungspositionen werden zu 86,1 Prozent von Männern besetzt.

Eine Ursache lässt sich hier schnell ausmachen: Es fehlt schlicht und einfach die weibliche Perspektive. Nur rund 7 Prozent der jüngsten Filmerfolge stammen von Regisseurinnen. Und wie sich mittlerweile herausgestellt hat, kommen fast automatisch mehr Frauen vor, ist ein Film von einer Frau gemacht worden. Nur als Beispiel der jüngst ausgezeichnete, männlich dominierte Film, The Revenant: Ganze 1,5 Stunden dauert es hier, bis eine Frau erstmals zu sehen ist. Keine der drei Fragen des Bechdel-Tests – ein Test, der 1985 von der amerikanischen Cartoonistin Alison Bechdel eingeführt wurde um herauszufinden, wie ernst ein Film Frauen nimmt – kann mit ja beantwortet werden. Es gibt also weder zwei namentlich erwähnte Frauen, noch sprechen diese miteinander oder über etwas anderes als Männer.

Das Gefährliche: Hollywood ist Multiplikator

Hollywood ist in diesem Sinne eine Abbildung der realen Welt. Gender Paygap, Diskriminierung und Sexismus, alles ist vorhanden wie im „richtigen“ Leben sonst auch. Gleichzeitig aber – und das ist eben das Gefährliche – ist Hollywood ein Multiplikator für männlich geprägte Bilder von Frauen. Denn, wie es sich im Einzelnen auswirkt, wenn im Kino männliche Themen im Vordergrund stehen und Frauen weniger als Anwältinnen oder Politikerinnen auftreten, sondern stattdessen leichtbekleidetes Beiwerk sind, muss sich jeder selber stellen.

Es scheint sich etwas zu bewegen

Immerhin: Die ungleichen Verhältnisse werden nicht mehr einfach nur unkommentiert hingenommen. Immer mehr Schauspielerinnen weisen auf Diskriminierungen hin. Auch die eingestaubte Oscar-Akademie kann sich einem sozialen Wandel nicht mehr versperren. Sie reagierte im Januar 2016 mit „historischen“ Maßnahmen: Die Zahl von Frauen und Minderheiten soll bis 2020 verdoppelt werden. Das lebenslange Stimmrecht wird auf zehn Jahre beschränkt.

Es gibt weitere Beispiele, die einen Wandel vermuten lassen: Das staatliche Schwedische Filminstitut hat 2013 den Bechdel-Test als offizielles Qualitätsmerkmal eingeführt. Wenn ein Film den Test erfüllt, wird dieser nun fortan mit einem „A“ für approved gekennzeichnet. Auch ein schwedischer Fernsehsender schloss sich diesem Vorgehen an.

Auch die immer stärker in den Vordergrund tretende Serienwelt mit starken weiblichen Charakteren macht hier Hoffnung auf eine Weiterentwicklung.

Mittlerweile ermittelt sogar die amerikanische Gleichstellungs-Bundesbehörde, die Equal Employment Opportunity Commission (EEOC) wegen der Einstellungspraxis in Hollywood. Insbesondere, dass die Zahl der Regisseurinnen in den letzten Jahren sogar gesunken ist (!), wird nun genauer unter die Lupe genommen.

Es bleibt also zu hoffen, dass Schritt für Schritt ein anderes Bewusstsein bei Filmschaffenden Einzug nehmen wird!

 

Foto: Shinya Suzuki

 

*in, *innen, *r, *ren, *er, *eren, *n und *en – wann immer ihr dieses Sternchen seht, ist jede und jeder gemeint.


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