bloomy_days_valentinstagWie jedes Jahr gibt’s zum Valentinstag Pralinen und Blumen – sowie sexistische Werbung. Eine Auswahl von Kathy und Inga.

Hallo liebe Leser* und alles Gute zum Valentinstag (falls ihr euch über diesen Wunsch freut)!

Heute ist das einst christliche Fest, wie so viele, eher zu einem Hochfest der Kirche des Konsums geworden, Profiteure dürften vor allem Drogerien sowie die Pralinen- und Blumenindustrie sein. Außerdem ist der Tag für viele Werbetreibende Anlass, mal wieder so richtig sexistisch sein zu dürfen. Besondere Aufmerksamkeit hat dieses Jahr der Blumenladen „Bloomy Days“ mit dieser zweifelhaften Aktion auf sich gezogen:

Wie schön, endlich mal wieder eine Vulva im öffentlichen Raum! Doch Momentchen, was steht denn da links daneben? Achso, so leicht sind wir Frauen also zu kaufen. Je schöner die Blumen, desto leidenschaftlicher mache ich die Beine für den Schenkenden breit. WTF!?

Und was sagt die Gründerin des Unternehmens Franziska von Hardenberg in der W&V dazu?

„Wir haben über das Jahr etwa 85 Prozent weibliche Kunden und können nach nun fast drei Jahren wirklich sagen, dass wir wissen was Frauen wollen. Vertrauen Sie mir, liebe Männer – es sind keine roten Rosen.“

Na Chapeau. Bis jetzt war es uns zwar vornehmlich ein Graus, wenn männliche Ärzte und Psychologen uns Frauen unsere Sexualität erklärten, aber Frau von Hardenberg nehmen wir gerne in diese Riege auf.

Die gleiche Botschaft vermittelte auch der Teleflora-Spot mit Model Adriana Lime, der während des Super Bowls 2012 ausgestrahlt wurde: „Give and you shall receive.“

Die Baumarktkette Hornbach steht den Blumenhändlern da in nichts nach: Wer nageln will, muss freundlich sein! Das Prädikat „freundlich“kann man sich bei Hornbach ganz einfach dank der großen Auswahl an blumigen Gewächsen erkaufen. Ist ja auch viel einfacher als ein andauernd netter und respektvoller Umgang auf Augenhöhe – das wäre ja auch viel zu anstrengend!

Hornbach_Wernagelnwill

 

Das besonders Perfide an all diesen Botschaften ist, dass es zwar vordergründig darum geht, was Frauen sich wünschen, letztlich aber weibliche Lust vollkommen außen vor gelassen wird. Es gibt keine weibliche Perspektive auf Lust und Sex. Sex wird auf eine Ware reduziert, die gegen Blumen oder sonstige Geschenke eingetauscht wird. Weibliche Lust wird vollkommen ausradiert. Sie wird unsichtbar gemacht. Liebe Werbenden, schon mal auf die Idee gekommen, dass auch Frauen gerne Sex haben? Und ihre Sexualität nicht nur ausleben, um sich „angemessen“ für Geschenke zu bedanken? Dass nicht nur Männer Lust empfinden? Nein? Dachten wir uns schon.

Ein Beispiel dafür, wo Werber genau wissen, was Männer unbedingt und Frauen auf keinen Fall wollen, lieferte Sky im vergangenen Jahr mit ihrer Kampagne „Sky your Boyfriend“: Sorry Mädels, Fußball ist halt nur was für Männer.

Den 14. Februar kann man aber auch ganz anders begehen. Politisch. Mit etwas, was sich Mädchen und Frauen weltweit tatsächlich wünschen. Dem Ende der Gewalt gegen Frauen. One Billion Rising  findet seit 2012 weltweit jährlich am 14. Februar statt. Gemeinsam demonstrieren und tanzen – gegen Gewalt an Frauen. Der Name bezieht sich auf die über eine Milliarde Frauen weltweit, die nach UN-Schätzungen im Laufe ihres Lebens Opfer von (sexueller) Gewalt werden. Eine Milliarde, das ist eine von drei Frauen.

Auch in Darmstadt tanzen wir: Um 13.30 Uhr geht die Demo los, um 14 Uhr der Tanz.

In diesem Sinne:

dorcel

 

Mehr Beispiele aus dem englischsprachigen Raum findet ihr hier.

Bilder: Bloomy Days, Hornbach, Dorcel Store

*in, *innen, *r, *ren, *er, *eren, *n und *en – wann immer ihr dieses Sternchen seht, ist jede und jeder gemeint.


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1 Kommentar

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